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Die Dachloggia des VHS-Gebäudes am Neumarkt

Irgendwas mit zwei Jungs also, die die bretonische Küste entlang wandern, über Frauen reden und über sich, viel redend überhaupt, was Französisches eben soll es geben, doch dann galoppieren mit Einbruch der Dunkelheit entfesselte Pferde über russische Hügel und niemand umher scheint irritiert, vielleicht hat nur man selbst die falsche Ankündigung gelesen. Aber egal, denn auch "Das Zigeunerlager zieht in den Himmel" nach Maxim Gorki, an diesem Abend, entpuppt sich als grandioser Film, verquer an diesem Ort und zugleich seltsam angemessen, nicht nur wegen der Sache mit dem Himmel und der grobkörnigen, etwas vergilbten Kopie, während unten kontrapunktisch eine Straßenbahn quietscht. Irgendwie fügt es sich –



[?] 360 Grad Panorama, Dach der Volkshochschule

Es ist einfach so: Das Programm ist verlässlich. Es gibt keinen urbaneren Ort in Köln als die Dachloggia des VHS-Gebäudes am Neumarkt und, vielleicht neben dem Dach des Museum Ludwig, keinen eindrucksvolleren Platz für Kino-Nächte unter freiem Himmel. Mehr noch, die Verbindung von beidem erhebt die Architektur zum Ereignis – nicht im Sinne eines kurzatmigen Events, sondern als Zutagetreten des Städtischen.

Seit 1991 bereits veranstaltet der Filmclub 813 hier oben, fünf Geschosse oberhalb und wenige hundert Meter entfernt vom Vereinssitz in der "Brücke", seine sommerlichen Filmreihen als damals erstes Open-Air-Kino Kölns überhaupt. Die Veranstaltungen sind Glücksfälle, weil sie fast immer erstaunliche Fundstücke der Filmgeschichte präsentieren, und ein wenig rau sind sie auch. In den letzten Stuhlreihen auf der mit Betonplatten belegten Terrasse füllt das Rattern des freistehenden Projektors die Geräuschkulisse, in kalten Nächten kann es zugig werden, und mit Sicherheit schieben sich Köpfe vor die Leinwand auf dem zurückgestaffelten Geschoss.

Dennoch scheint all dies die robusten Oberflächen des Baulichen noch zu heben, ihre Unmittelbarkeit ohne Abfederung. Das VHS-Gebäude, von Lammersen und Löwenstein 1962-64 errichtet, stammt aus der Zeit einer pragmatischen Nach-Nachkriegsmoderne, da man vom industriellen Detail klar und direkt zum fließenden städtebaulichen Raum zu denken vermochte. Eine Ebene über dem Platz ist genau dies und nichts anderes; sie meint das Verhältnis, und den Rest besorgen Sonne und Luft. Das flache Dach, das aufgeständert auf Betonscheiben und rostigen Stützen den Rand der Terrasse umläuft, will weder Zeichen setzen, noch dynamisieren; es vollendet den Körper nur zum ungebrochenen Quader.

Umgekehrt bedeutet dies: Ist man oben angelangt mit dem Pater Noster, einem an sich längst rar gewordenen Stück Technikgeschichte, steht man nicht nur auf dem Gebäude, sondern zugleich noch in der im Ganzen gedachten Form. Der Blick hinaus ist gerahmt, erinnert an heiteren Tagen sogar ein wenig an jene südlichen Gefilde, die vor Jahrzehnten die neuankommenden "Bauten unter dem Lichte" freundlicher zu begrüßen wussten – und vermag mit der Unentschiedenheit der Umgebung zu versöhnen. Gute 20 Meter Distanz genügen, um die Schneise hinab zum Heumarkt gern zu betrachten, im ständig mit fragwürdigen fliegenden Bauten bespielten Neumarkt eigene Reize zu entdecken oder die Augen einfach hinüber zur terrassierten Silhouette des Opernhauses schweifen zu lassen.

Bis zum letzten Herbst allerdings gab es auch unmittelbar nebenan, wo sich nun eine riesige Baugrube befindet, noch anderes zu sehen: Dass das Ensemble aus Kunsthalle, Kunstverein und VHS-Gebäude rund um den stadträumlich immer unterschätzten Haubrichhof im Zuge der groß angelegten Erzeugung des "Kölner Lochs" zerstört wurde, ist, wie sich von hier im Besonderen zeigt, ein nicht wieder rückgängig zu machendes Ärgernis. Es hat das VHS-Gebäude zumindest von Osten her in einen Solitär verwandelt, der es vorher, so ruppig es manchem seit je erschienen sein mag, nicht war. Köln hat genug Bauten aus dieser Zeit, zu wenige jedoch, die als Ensemble einen entsprechenden Stadtraum bis heute überzeugend geprägt haben und tatsächlich öffentlich erlebbar sind. Vor diesem Hintergrund: Immerhin – die Terrasse ist geblieben. Die Veranstaltungen des Filmclub 813 starten wieder im nächsten Sommer, und zum Hinabschauen ist das Warten auf die Dämmerung der richtige Moment.


Olaf Winkler
Freier Architekturjournalist und Redakteur der Zeitschriften polis und build, Köln

[?] 360 Grad Panorama, Dach der Volkshochschule

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Die Sicht von Oben zeigt Dächer, die zum fließenden städtischen Raum zählen oder so abstrakt wie ein Architekturmodell sind. Dächer, die die wechselhafte Kölner Geschichte erzählen oder pures Freizeitvergnügen sind.

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